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Unsere Geschichte

Von St. Urban, einem heilig gesprochenen Papst (Urban I.), sind über seine Regierungszeit in Rom zwischen 222 und 230 hinaus kaum sichere Daten bekannt. In den deutschsprachigen Ländern gilt er als Patron der Weinstöcke und Weinhauer oder Winzer. Im Mittelalter konnte er auch bei Gewitter sowie bei Gicht und Trunkenheit angerufen werden. So wie zu dieser Aufzählung zumindest der bis heute St. Urban am Ossiacher See unmittelbar benachbarte Stöckelweingarten passt, konkretisiert sich die genauere Örtlichkeit erstmals in einer Besitzbestätigung für das Kloster Millstatt, die Papst Alexander III. Im Jahr 1177 unterfertigte. Sie nennt unter anderem eine „villa sancti Urbani cum capella“, einen kleinen Wohn- und Wirtschaftsgebäudekomplex mit einem Gotteshaus. Wahrscheinlich gehörte dieses hier urkundlich benannte St. Urban zum Stiftungs- gegebenfalls auch Heiratsgut des bayerischen Adelsgeschlechts der Aribonen, das im ersten Jahrhundert nach 1000 neben Millstatt weitere Klöster auch in Kärnten gründete. Ob hingegen schon zur Römerzeit an jenem, später zu „St. Urban“ am Ossiacher See gehörenden Teilstück der damals sogenannten „Via Julia Augusta“ zwischen Villach und Feldkirchen bereits eine wirtshausähnliche Raststätte für Fuhrleute bestand, sei dahingestellt. Immerhin bezeugt der einfache Römerstein mit einem Medusenhaupt, der heute im seeseitigen Vorhofgarten des Urbaniwirts liegt, auch örtliche Siedlungsspuren.

Foto vom Urbaniwirt

Deutlich genug erscheint der Urbaniwirt zuerst im Jahre 1450, als der Millstätter Klosterbesitz am Ossiacher See dem Spitalmeister von Villach überschrieben wird. In der in Wien überlieferten Vertragsurkunde, von der eine gerahmte Fotokopie im heute hinteren Gastraum zu finden ist, geht es ganz und gar weltlich um den Verkauf von neun Huben und einer Taferne. Genau diese sogenannte „taberna“ bestätigt und beurkundet die Tradition eines Urbaniwirts sowie die bestehende Wirtshauspräsenz neben der Kirchenpräsenz, die beide allerdings unterschiedliche Entwicklungen nahmen: Die in der Urkunde von 1450 hervorgehobene „taberna“ überlebte die benachbarte, zuerst 1177 genannte „capella“, die zur mittelalterlichen Ortsnamensgebung St. Urban beigetragen hatte. Das Gotteshaus wurde 1615 aufgrund einer kirchlichen Visitation als ruinös bezeichnet, zugleich aber als schön gelegen. Damit bedachte der Verfasser des Berichts die Gemarkung St. Urban mit dem bereits antiken schmalen Durchgang zwischen der steil abfallenden Peterlewand und dem großen See mit seinem vor der heutigen Eisenbahn- und Autostraßenzeit weit höherem Wasserstand wird man nachempfinden können.

Heute jedenfalls ist das dem heiligen Urban gewidmete Kirchlein, das in den religiösen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in der frühen Neuzeit noch eine bescheidene Rolle spielen konnte, gänzlich verschwunden. Ein Überrest der Kanzel befindet sich seit Ende des 18. Jahrhunderts in der Kirche von Sattendorf. Allein der Urbaniwirt hat sich kraftvoll erhalten, häuslich beständig renoviert und sein Angebot auch in unserer schnelllebigen Zeit sowohl den alten Traditionen als dem neuesten Stand von Küche und Keller angepasst. Mit seinem Personal und Kärntner Tüchtigkeit steht er weiterhin gut und gern für seine Gäste bereit, und zwar, so bleibt allseits zu hoffen und zu wünschen, für immer noch mehr Jahrhunderte.

Laut Univ.-Prof. Dr. (em) Karl-Heinz Ludwig