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Unsere Geschichte

St. Urban! Der Name taucht in Österreich mehrmals als Ortsbezeichnung, vornehmlich in Weinbaugegenden, auf. Und das ist kein Zufall, denn der in Rom geborene und dort von 222 bis 230 v. Chr. als Papst wirkende, später heilig gesprochene, Kirchenfürst Urban I. ist der Patron der Winzer. Sein Fest fällt auf den 25. Mai, an dem in der ersten warmen Jahreszeit nach den “Eismännern” zumeist die Weinblüte einsetzt. Urban I. wird meist als Papst mit einem Kreuzstab oder einem Schwert in der einen und mit einer Weintraube auf einem Buch in der anderen Hand dargestellt und man leitet seinen Namen vom lateinischen “urbane”, d.h. städtisch, gebildet, artig, höflich, ab. Für ihn gilt daher der schöne Spruch mit vollem Recht: “Höflichkeit ist Ehrfurcht vor Gottes Geheimnis im Geschöpf.”

Foto einer Statue des Heiligen St. Urban.

Dem ehrfürchtigen Mann als Winzerpatron verdanken auch einige Kärntner Orte ihren Namen, darunter der ehemalige Weiler Sankt Urban bei Bodensdorf am Ossiacher See, der urkundlich erstmals 1530 als “Sand Urbanskirchen” auftaucht und sich nach dem zweiten Weltkrieg mit dem ihm eng benachbarten Weiler Burg und dem nahen Dorf Tschöran zu einem hübschen kleinen Bade- und Ferienort entwickelt hat.

Spürt man den Anfängen dieses Ortes nach, findet man einige wenige Informationen: Hinter dem Urbani-Wirt steht auf einer klobigen Säule ein etwa 2 Meter hoher, dreiseitiger Grenzstein, dem eigentümlich gerahmte, leere Schildflächen eingemeißelt sind. Er gemahnt an den mit 1612 datierten, jetzt gegenüber dem Schloss Biberstein in Himmelberg aufgerichteten, wappentragenden Stein, der ursprünglich in der Ossiacher Gegend stand. Dieser zeigte im Mittelalter die Grenze der Burgherrschaften Prägrad über dem Tiebel-Moos und Piberstein in Himmelberg sowie des Ossiacher Stiftsbesitzes an. Offenbar handelt es sich auch bei dem St. Urbaner Stein um eine solche Grenzmarke. Weitaus älter wird der in einem nahem Feld gefundenen Stein mit einem Männerkopf geschätzt. Dieser Stein ist vermutlich römischer Herkunft, denn die Bewohner der um 50 n. Chr. von den Römern gegründeten Stadt Virunum (auf dem Zollfeld) hatten schon vor der Völkerwanderungszeit das Nordufer des Ossiacher Sees gerne als Ferienstätte benützt. Sie gehörten demnach zu den ersten Badegästen St. Urbans.

Die frühesten Siedler des Ortes waren Winzer und Fischer, weshalb nicht nur dem “Weinheiligen”, dem Beschützer der Rebengärten, sondern wohl auch St. Petrus, dem Patron der Fischer, manches Gebet gegolten hat. Eine Frage, die sich öfters gestellt wird, handelt von dem Verbleib und dem genauen Standort der Weingärten. Leider gibt es darüber keine Aufzeichnungen. Man nimmt aber an, dass sie am steil dem Deutschberg vorgelagerten Hang des Gerlitzenmassivs westlich von St. Urban gewesen sein mußten. Die schon 1365 erwähnte Flurbezeichnung “Stöcklweingarten” – das Wort “Stöckl” ist das alte “Stickel”, das der Volksmund für “steil” gebraucht – unterstützt diese Vermutung, wie auch einige eigentümliche Bodenformationen. Diese lassen die Weingartenstufen noch ahnen, von denen einst die Winzer die Bottiche mit der funkelnden Rebenlast herabtrugen, während ihr Patron versonnen in das ihm geweihte Kirchlein schaute, welches nach Augenzeugenberichten noch bis kurz nach dem ersten Weltkrieg an der Lehne hinter dem Urbani-Wirt stand. Als man an dieser Stelle das Erdreich für den Bau eines kleinen Landhauses aushob, verrieten Knochenfunde den Standort des ehemaligen Kirchenhofs.

Weingarten und Kirchlein sind verschwunden, aber St. Urban segnet gleichwohl den Ort, der einer überaus reizvollen Landschaft im Herzen Kärntens zugehört.